Reisebericht März-Fahrt 2017

Mittwoch, den 1. März war wieder eine Ungarnfahrt angesagt. Entgegen den anderen Fahrten fuhren wir dieses Mal schon am Nachmittag los, damit wir in Ungarn ein paar Stunden mehr zur Verfügung haben konnten. Um 15.00 Uhr ging es also los.. wir waren guter Dinge und voll motiviert, doch was uns erwartete, konnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht erahnen. Diese Fahrt war überschattet mit kleinen und großen Stolpersteinen.. im Nachhinein betrachtet ergaben sich Situationskomiken, die sicherlich reif für eine Doku-Soap gewesen wären. Ich habe versucht, ein paar Szenen in ihrer Witzigkeit zu dokumentieren. Dadurch wurde dieser Bericht sehr lange. Wem 17 Seiten in MS-Word zu viel zum Lesen sind, sollte sich diesen Bericht ersparen.

Also.. diese Tour verlief unter dem Motto:

Frage: „Was ist Humor?“ Antwort: „Wenn man trotzdem lacht.“

Das Wetter war so lala.. jedenfalls von oben trocken. Anders jedoch bei uns im Transporter. Eine große Tasse Kaffee, natürlich mit viel Kaffeeweißer, ungeschickt auf der Ablage abgestellt, landete in einer Kurve auf der Windschutzscheibe. Der ganze Inhalt ergoss sich über die Scheibe und schränkte die Sicht auf unappetitliche Weise ein. Doch wofür gibt es Papiertaschentücher, womit man den Schmodder gleichmäßig verteilen kann?

Wir machten einen kleinen Stopp in Katzenfurt, damit ich mich mit der auf so langen Fahrten dringend erforderlichen Tabakware eindecken konnte und weiter ging`s. Trotz der brutal megalangen Baustelle, die uns nach meinem letzten Kenntnisstand im Spessart erwartete, übernahm ich das Steuer (ich bin ja nicht wirklich die geborene LKW-Fahrerin, sondern eher der Bleistiftstemmer). Dank diverser Slapstick-Einlagen von Axel war es recht kurzweilig. Bis auf einen mittellangen Stau Höhe Hanauer Kreuz kamen wir auch zügig durch. Im Spessart angekommen dämmerte es bereits. Aber die brutale Baustelle war weg… na ja . bis auf kurze Passagen.. fast weg. Und hier begann eigentlich mein erster Alptraum: Spessart, Dämmerung, Baustellenpassagen und REGEN ! Komischerweise regnete es immer nur in den Baustellenphasen. Warum Daniela und Axel darüber lachten, weiß ich nicht. Trotzdem kutschierte ich unser Spielmobil sicher durch den über von mir über alles gehassten Spessart (nur die Autobahn, ansonsten eine wunderschöne Gegend) zum nächsten Stopp in Haidt. Dort tränkten wir unser Spielmobil und Axel übernahm das Steuer bis Passau.. und siehe da.. kein Regen mehr. In Passau speisten wir unsere GO-Box und ich übernahm wieder das Steuer. Ich hörte schon die gefühlte 100 km lange Baustelle auf der A8 in Österreich „hurra“ schreien. Wie dem auch sei.. als ich in die Baustelle einfuhr, wie soll es auch anders sein, regnete es. Und schon wieder lachten Daniela und Axel.. echt unkumpelig.

Nächster Stopp war die mittlerweile beliebte Oldtimertankstelle Oed.. beliebt deshalb, weil dort der Sprit merklich billiger ist gegenüber anderen Tankstellen. Mir schwante schon, dass wir eine ungünstige Zeitlogistik hatten, da wir viel zu früh waren. Wir hatten nur noch 300 km bis Ajka und es war erst kurz vor 2:00 Uhr. Kurz vor den Wiener Bergen machten wir noch einmal einen Fahrerwechsel.. denn Wiener Berge geht bei mir gar nicht.. vor allen Dingen nicht mit solch einem vollbeladenen Spiemobil.

Wie befürchtet, waren wir viel zu früh in Ungarn. Unser obligatorisches Programm in Sopron konnte nicht durchgeführt werden, da die Bürgersteige noch alle hochgeklappt waren. Vereinbarungsgemäß schickten wir Laura eine SMS mit dem Wort „Sopron“ in der Hoffnung, dass sie schon aus dem Schlummerland erwacht ist. Von jetzt an brauchten wir nur noch knapp zwei Stunden bis zur Station.

Ein Streif am Horizont sendete uns ein positives Signal in weiter Ferne, das uns Grund zur Zuversicht gab. Innerhalb weniger Minuten bot der Himmel uns ein wunderschönes Farbspektakel

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Kurz vor 7:00 Uhr kamen wir in Ajka an. Bevor wir jedoch in die Station fuhren, verspürten wir den Drang, das Endprodukt unserer Flüssigkeitsaufnahme wieder loszuwerden. Außerdem mussten wir an den Hunger unserer HU-Go-Box (ungarisches Maut-System) denken, der ja aufgrund geschlossener Läden in Sopron nicht gestillt werden konnte. Nach der App auf meinem Handy verfügte die Filiale einer großen Supermarktkette in Ajka sowohl über eine Toilette als auch über einen Terminal zur Aufladung des Kundenkontos für die HU-Go-Box. Die Toilette war bereits geöffnet, die Information des Ladens leider nicht. Wir entschlossen uns also, es nach unserem Besuch in der Station noch einmal zu versuchen.

In der Station angekommen begrüßten uns nur die Hunde mit ihrem lautstarken Gebell.. ansonsten herrschte gähnende Leere. Oh nein.. Laura war doch noch im Schlummerland.. dachten wir. Da unsere Hunde bis auf wenige Pausen noch keinen Auslauf hatten, entschlossen wir uns, den zeitlichen Leerlauf zu nutzen und machten uns auf zu einem kleinen Spaziergang bei den nahegelegenen Feldern. 7:13 Uhr ein Lebenszeichen von Laura in Form einer SMS mit dem Wortlaut „Tierheim“.. drei Minuten später „ich bin hier“. Gott sei Dank.. wir kehrten um Richtung Station und dort erwarteten uns dann Laura und Atilla.

Wir machten uns sofort an die Arbeit und luden die Spenden aus

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Wie immer ließ ich die anderen malochen und zog mit meiner Kamera bewaffnet los. Ein paar Schnappschüsse, die ich Euch nicht vorenthalten möchte, sind dabei entstanden:

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Da Daniela und Axel das angrenzende Tierheim Vahur noch nicht kannten, statteten wir den Hunden dort noch einen Besuch ab.

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Dabei entwickelte sich per Zufall noch ein Fotoshooting mit Oreo, der genau wie alle anderen Hunde auf der Suche nach einem Zuhause ist.

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Um 8:00 Uhr waren wir in der Station durch und bevor es nach Veszprem ging, mussten wir noch zur Supermarktfiliale fahren.. Ihr erinnert Euch sicherlich. Die nette Dame an der mittlerweile geöffneten Information teilte mir mit, dass sie „ein bisschen“ deutsch spricht. Dieses „Bisschen“ entpuppte sich dann als so wenig, dass sie uns statt der Aufladung unserer HU-Go-Box ein Navigationsgerät verkaufen wollte. Obwohl ich ihr über mein Handy die Webseite von HU-GO zeigte, wusste sie damit überhaupt nichts anzufangen. Unverrichteter Dinge zogen wir also wieder von dannen. Eine nochmalige Suche über mein Handy nach HU-Go-Box-Terminals unter starker Vergrößerung ergab dann, dass es nicht die Supermarktfiliale war, sondern eine in der Nachbarschaft gelegene Tankstelle, die über einen entsprechenden Terminal verfügt. Mit prall gefülltem Bauch unserer HU-Go-Box und einem Kaffee to go konnten wir unsere Fahrt nach Veszprem antreten.

Andras und Gabor warteten schon auf uns, da wir uns per SMS angekündigt hatten. Zsuzsa hatte leider einen Auswärtstermin und konnte nicht dabei sein. Zunächst wurde Odin begrüßt, der nach längerer Tierheimphase bei Zsuzsa im Oktober 2015 nach Deutschland zu Axel reisen durfte. Danach luden wir die Spenden aus.. hm.. ich natürlich nicht ;-).. ich musste schließlich Bilder von der arbeitenden Gesellschaft machen

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Weiter ging es an meine To-do-Liste, wonach 19 Hunde und noch jede Menge Welpen zum Fotoshooting antreten sollten.. ein hoffnungsloses Unterfangen; geschafft habe ich lediglich 14 Hunde. Dabei sind wirklich tolle Fotos entstanden, vor allen Dingen von den Hunden, die sich massiv gegen ihre Ablichtung sträubten.

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Im Anschluss an das Shooting gingen wir noch in den Innenhof des Tierheims. Gefühlte 50 Hunde stürmten auf uns zu, als hätten sie noch nie in ihrem Leben einen Menschen gesehen. Jeder wollte beim Verteilen von Streicheleinheiten in der vordersten Reihe sein.

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Ohne Worte !

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Gabor im großen Rudel

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Um 12:00 Uhr beendeten wir unseren Besuch in Veszprem und machten uns auf den Weg ins Tierheim nach Siofok. Auch hier wurden zuerst die Spenden ausgeladen.

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Diese Mannschaft hier war von der Berufsgenossenschaft. Akribisch genau wurde zugeschaut, damit bei der Arbeit auch kein Fehler unterlief. Außerdem musste die Zeit für eine neue Akkordzeitberechnung gestoppt werden.

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Auch wenn wir total übermüdet waren, so ließen wir es uns nicht nehmen, noch einen Tierheimrundgang zu starten. Wir sahen viele bekannte, aber auch viele neue Gesichter.

Lady28 Tchibo29
Molly30 Shila31

Es wurde dann Zeit, nach Hause zu fahren, denn bei uns ging irgendwie gar nichts mehr.. Hunger und Müdigkeit nagten an unserer Substanz. Nach unserem obligatorischen Einkauf (wir sind ja schließlich Selbstversorger) fuhren wir zu unserem Haus in Enying. Mittlerweile war es nach 16:00 Uhr und wir freuten uns auf ein Feierabendbier bei einem gemütlichen Ofenfeuer. Das hatten wir uns einfach nach den Strapazen verdient. Zunächst mussten wir jedoch den Hauptwasserhahn aufdrehen. Das ist bei den ungarischen Häusern gar nicht so einfach, denn der befindet sich in einem Erdschacht in ca. 1 – 1,5 m Tiefe. Für diese verantwortungsvolle Aufgabe war Axel prädestiniert. Über eine Leiter stieg er also unter Tage, um die Wasserversorgung in Gang zu bringen. Mühsam kletterte er aus diesem Erdloch wieder raus und verschloss den Schacht. Geschafft, sagte er sich. Dann ein Schrei.. er kam aus dem Bad.. ein weiterer Schrei wesentlich lauter und schriller.. „Wasser abdrehen!!“ Den Ernst der Lage hatten Axel und ich noch nicht so wirklich erkannt.. wir schauten uns zunächst nur achselzuckend an… bei einem Blick ins Bad erkannte ich jedoch auch die Notwendigkeit eines erneuten Abstiegs in die Unterwelt. Ein dicker Wasserstrahl, der von einer Wand mit einem Wahnsinnsdruck auf die andere traf, hatte den Raum mittlerweile zu einem kleinen See verwandelt. Auch die Wasserleitung unter dem Waschbecken hatte den Frost nicht überlebt. Axel kroch also total genervt wieder in die Tiefen des Erdreiches, um in Lehm und Schlamm nach dem Wasserhahn zu suchen.

Nun war guter Rat teuer.. der Landessprache nicht mächtig mussten wir das Problem lösen. Pension oder Klempner? Während Daniela im Bad für Schadensbegrenzung sorgte, war meine erste Handlung ein Anruf bei Zsuzsi in der Hoffnung, dass sie einen Klempner kennt, der uns noch an diesem Tag helfen konnte. Einen weiteren Hilferuf startete ich bei unserer Oma-Nachbarin. Wenn jemand einen Klempner vor Ort kennt, dann ist sie das. Ihr konnte ich das Malheur aber nur zeigen.. eine verbale Verständigung war darüber hinaus nicht möglich. Doch sie hatte Mitteilungsbedarf und deshalb kam mir die Idee, den Kontakt zwischen ihr und Zsuzsi als Dolmetscherin via Handy herzustellen. Ich wählte also abermals Zsuzsi`s Nummer und wollte Oma das Handy in die Hand drücken. Doch sie schaute es nur befremdend von allen Seiten an, als hätte ich ein futuristisches Werkzeug in der Hand, das es in ihrer Welt nicht gibt. Ich sagte zu ihr „Telefon“ und daraufhin machte sie ihr Ohr frei (sie trägt immer Kopftuch). Ich hielt ihr also das Handy ans Ohr und die Unterhaltung zwischen ihr und Zsuzsi ging los. Sie führte jedoch lediglich zu dem Ergebnis, dass der Klempner ihres Vertrauens erst wieder am nächsten Tag erreichbar sei.

Axel hatte mittlerweile im Haus für Wärme gesorgt, damit wir uns erst einmal zusammensetzen konnten, um auf den Rückruf von Zsuzsi zu warten und ggf. eine Alternativproblemlösung zu finden. Ein erneuter Wasseralarm während der Ofenanfeuerung hatte sich zum Glück nur als Kaminglasplatte unterm Ofen entpuppt. Über Tante Google fand ich die Telefonnummer eines Klempners in Enying, der Öffnungszeiten bis 20:00 Uhr versprach. Ich rief an und er sprach auch deutsch.. doch er konnte uns aufgrund einer „Beinkrankheit“ (seine Worte) nicht helfen. Wir entschlossen uns, in Enying zu bleiben und die Wasserversorgung mit Hilfe von Oma zu gewährleisten.. zumindest bis zum nächsten Tag. Mit Eimer bewaffnet belästigte ich also abermals Oma, die aber schon damit gerechnet hatte. Sie führte mich zu ihrem Erdschacht, denn auch sie hatte aufgrund der immer noch vorkommenden Frostnächte den Hauptwasserhahn zugedreht. Ich dachte nur, jetzt muss Oma in den Schacht kriechen, aber nein.. sie machte es sich einfach.. mit einem einfachen langen Holzstab bediente sie von oben den Wasserhahn.

Kurz vor 18:00 Uhr kam der erlösende Anruf von Zsuzsi; sie hatte einen Klempner gefunden, der allerdings an diesem Tag nicht mehr helfen konnte.. erst am nächsten Tag in der Früh wollte er sich melden. Damit konnten wir leben und wollten jetzt einfach nur zur Ruhe kommen. Ich musste nur noch einmal kurz zu unserem Spielmobil, da ich etwas vergessen hatte. In der Dunkelheit sah ich dann am Tor eine Gestalt, die mit ihrer Taschenlampe herumfuchtelte. Ich dachte nur, für heute reicht`s.. keine Unterhaltung mehr mit Händen und Füßen.. und auch sonstige Probleme waren nicht mehr willkommen. Diese Gestalt entpuppte sich jedoch als der Klempner.. oh Freude.. ich hätte ihn umarmen können. Er schaute sich unser Problem an und sicherte zu, es am nächsten Morgen um 7:00 Uhr mit Ersatzteilen zu lösen. Wir sahen also wieder Licht am Ende des Tunnels.. oder eher Wasser am Ende Leitung.

Ein ereignisreicher Tag neigte sich dem Ende und es passierte nichts Spektakuläres mehr.. relativ zeitig zogen wir uns in unsere Gemächer zurück und fielen in einen komaähnlichen Zustand.

Pünktlich um 7:00 Uhr stand der Klempner am nächsten Tag am Tor und bat um Einlass. In Windeseile hatte er vier Wasserleitungen ausgetauscht und das Wasser konnte wieder angedreht werden. Für ihn war der Gang ins Erdloch vollkommen normal. Er wies mich mit Händen und Füßen an, im Bad zu schauen, ob alles in Ordnung ist. Zunächst sah es ganz gut aus, bis ich ein leises Tröpfeln in die Badewanne vernahm. Ich machte dem Klempner, der im Erdloch auf mein Feedback wartete, nonverbal verständlich, dass da irgendwas noch nicht stimmt. Er eilte ins Bad und sagte nur: Kaputt !. Na toll.. und wieder musste das Wasser abgestellt werden. Er zog los und versprach, mit einer neuen Mischbatterie schnell wiederzukommen, was auch geschah. Es dauerte nur 10 Minuten und er hatte alle für die Reparatur erforderlichen Ersatzteile ausgetauscht. Doch es tröpfelte immer noch. Dieses Mal war es der Wasserboiler.. und wieder kam aus des Klempner`s Mund: Kaputt! Doch solch ein Gerät konnte er auf die Schnelle nicht besorgen. Der Schaden war jedoch nicht so groß, dass wir das Wasser wieder abdrehen mussten; es reichte die Hilfe eines Eimers, um Tröpfche für Tröpfche aufzufangen. Das wertvolle Gut Wasser stand uns nun wieder zur Verfügung.. Gott sei Dank.

Es war noch recht früh und somit hatten wir genug Zeit, unseren geplanten Besuch in der Tötungsstation Bonyhad durchzuführen. Nach einem Frühstück fuhren wir gegen 10:30 Uhr los und waren zwei Stunden später dort. Die Station befindet sich in einem Industriegebiet und ist von der Straße aus nicht einsehbar. Eine nette Dame, die zum Glück deutsch sprach, zeigte uns den Weg. Melinda freute sich sehr darüber, dass wir endlich mal nach Bonyhad gekommen sind; hatte sie mich schon vor etlichen Wochen gefragt, wann wir die Station einmal besuchen wollen.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.. also luden wir zunächst die Spenden aus

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Danach führte uns Melinda durch die Station.

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Auch hier gibt es – wie in den anderen Tierheimen – viel zu viele Listenhunde, denen wir leider nicht helfen können.

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Da wir einmal in Bonyhad waren, entschlossen wir uns, einige Hunde zu fotografieren, um sie bei uns in der Vermittlung aufzunehmen.

Die beiden hier passten akribisch genau auf, was wir da machen.

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In Anbetracht einer zweistündigen Rückfahrt mussten wir unseren Besuch in Bonyhad beenden. Wir versprachen ein baldiges Wiedersehen, denn das Team sollte mit seinem Engagement auf jeden Fall unterstützt werden. Auch wenn sich das Tierheim immer noch offiziell „Tötungsstation“ nennt, wird dort nicht mehr getötet, sondern es wird versucht, die Hunde und Katzen in ein liebevolles Zuhause zu vermitteln.

Wir machten noch einen Stopp bei einer (bereits eingangs) erwähnten Supermarkfiliale, um uns für das Abendbrot zu versorgen. Axel zog es vor, im Auto bei den Hunden zu bleiben und bat uns, die Shopping-Tour zeitlich auf ein Minimum zu begrenzen. Die Sonne stand noch relativ hoch am Himmel, und Daniela und ich versprachen, uns zu beeilen, damit wir noch im Hellen nach Hause kommen. Wir hechteten also durch den Supermarkt, hin und her, vor und zurück, da wir nicht wussten, wo wir welches Produkt finden konnten.. am Ausgang holten wir noch Forint für die Zeche des Klempners und für jeden von uns einen Kaffee to go. Als wir zum Transporter kamen, fanden wir einen am Rande der Resignation befindlichen Axel vor. Während Odin die ganze Zeit die Glastür, hinter der wir verschwunden waren, fixiert hatte, hatte Axel sich mit der Beobachtung der Rotation der Sonne beschäftigt.

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Wir haben uns wirklich sehr beeilt, ganz ehrlich ! Was können wir denn dafür, wenn die Sonne in Ungarn so schnell runterfällt?

Da unsere Tabakware sich dem Ende neigte, mussten wir auf der Heimtour noch nach einem der kleinen Lädchen, die man an dem Schild mit der Zahl 18 erkennt, suchen. In einem kleinen Dorf wurden wir fündig, hatten aber wegen der schmalen Durchfahrtsstraße einen – vorsichtig ausgedrückt – ungünstigen Parkplatz. „Beeilt Euch, ich stehe Schei..“, schickte Axel uns noch hinterher. Leider waren die meisten unserer Sortenwünsche im Laden nicht vorrätig, so dass allein die Wahl der Marke schon Zeit in Anspruch nahm. Während Daniela in der Landeswährung bar bezahlte, bin ich eher der Verfechter der bargeldlosen Zahlung. Ich zückte also meine EC-Karte und nach dreimaligem Versuch mit falscher PIN stellte ich mit Erschrecken fest, dass ich zwar die richtige PIN eingegeben, aber die falsche Karte eingelegt hatte. Vielleicht sollte ich für die Zukunft doch wieder besser das konventionelle Tauschmittel benutzen. Mit unseren Glimmstängeln und vermutlich gesperrter EC-Karte, die unseren Heimweg nach Deutschland sichern sollte, verließen wir das Lädchen. Fingertrommelnd saß Axel im Transporter und hätte uns sicherlich am liebsten den Kopf abgerissen.

Eigentlich wollten wir am gleichen Tag noch mit dem Boxenaufbau im Transporter beginnen, doch als wir in Enying ankamen, war es bereits dunkel und wir verschoben die Aktion auf den nächsten Tag. Wir machten also für diesen Tag Feierabend. In einem Stühlchenkreis um den wärmenden Ofen hockend ließen wir den Tag Revue passieren, sprachen über das Erlebte und verarbeiteten damit unsere Eindrücke. Es war ein schöner Abend, bei dem wir komplett die Zeit vergessen hatten. Irgendwann stellten wir mit Schrecken fest, dass es bereits 2:00 Uhr war. Nun aber ab ins Körbchen, damit wir noch genügend Schlaf bekamen, denn wir hatten schließlich einen harten Tag vor uns.

In der Früh begrüßte uns die Sonne mit ihrem strahlenden Lächeln. Ein starker Kaffee half unseren Vitalwerten auf die Sprünge. Während ich mich unters Wasser aus werkstattneuer Mischbatterie begab, begannen Daniela und Axel, sich mit dem Boxenaufbau zu beschäftigen. Nachdem ich mit meiner Restauration fertig war, hüpfte Axel unters Wasser und ich schloss mich der Beschäftigung „Boxenaufbau“ an. Unsere Hunde erkundeten derweil das riesige Grundstück und schafften es immer wieder, einen auf dem Nachbargrundstück lebenden Hund in Rage zu bringen. Ich unterbrach meine Arbeit und suchte nach der Quelle des Gebells. Was ich dann vorfand, zerriss mir das Herz. Eine Hündin, die mich schwanzwedelnd und freundlich anschaute. Der Inhalt ihres Lebens besteht lediglich in dem Blick auf unser Grundstück in einem Radius von den 2 Metern, den die Kette ihr ermöglicht, sich zu bewegen. Tag ein, Tag aus nur diese zwei Meter. Ich holte Leckerlis aus meiner Tasche und als die Hündin sie sah, machte sie wohlerzogen „Sitz“.. eine Geste, bei der mir die Tränen in die Augen schossen und ich nur noch Wut empfand. Ich warf ihr die Leckerlis über den Zaun und sie fing sie auf.

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Leider gehört dieser Anblick in Ungarn immer noch zum ganz alltäglichen Bild. Wir sind machtlos gegenüber dieser Grausamkeit, weil die Gesetzgebung diesbezüglich einfach viel zu lückenhaft ist. Wir müssen also wegsehen, um daran nicht zu zerbrechen.

Der Selbstschutz „Verdrängung“ funktioniert aber lediglich in der Anonymität. Diese Hündin hat mir in die Augen geschaut und damit den Verschlussmechanismus zerstört. Ein Wegsehen ist mir nicht mehr möglich und ich möchte mich auch nicht damit abfinden, dass ich machtlos bin. Ich habe ihr versprochen, sie von diesem Scheißding zu befreien.

Axel war mittlerweile auch sauber und platzierte die von Daniela und mir aufgebauten Boxen im Transporter. Daniela musste mit ihrer Dusche noch eine Weile warten bis das Wasser wieder aufgeheizt war; kein Problem, Arbeit war genug da, um die Zeit zu überbrücken. Ein Warmwassertest nach einiger Zeit ergab ein positives Ergebnis. Daniela verschwand im Bad und ich hatte so schnell nicht mit ihrer Rückkehr gerechnet. Doch irgendwie kam sie innerhalb weniger Minuten mit einem ins Negative tendierenden Gesichtsausdruck wieder heraus. Auf meine Frage hin, warum sie so schnell fertig war, brach es aus ihr heraus: „Das Wasser war eiskalt“. Konnte doch eigentlich nicht sein nach meinem Wassertest. Dann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren.. ähm Augen.. dass der Klempner rot und blau beim Einbau vertauscht hatte.. Axel war bei seiner Körperreinigung selbst drauf gekommen. Für ein „Sorry“ war es zu spät… Daniela war stinkig, nicht, weil sie keine warme Dusche hatte, sondern weil es ihr niemand gesagt hatte.

Boxenaufbau fertig.. es war bereits Mittag und es wurde Zeit für`s Frühstück. Oma hatte uns mit frischen Eiern von glücklichen Hühnern versorgt und bei herrlichem Wetter deckten wir den Tisch draußen. Nach dem Frühstück zeigte das Chronometer 13:00 Uhr an. Wir waren richtig gut im Zeitplan.. uns blieb jetzt noch eine halbe Stunde für den Abwasch und ein wenig aufräumen. 13:30 Uhr war geplante Abfahrtszeit. Nach einem Check, ob wir noch Wasser benötigten, gingen wir ans Werk, den Boiler mit 50 l Wasser zu leeren. Vorher musste Axel nochmal in die Versenkung, um den Haupthahn zuzudrehen. Anschließend schraubte er das Ventil, das ihm der Klempner zuvor gezeigt hatte, am Boiler auf und das Wasser gluckerte Schluck für Schluck heraus. Es waren kleine Schlucke.. viel zu kleine Schlucke, um auf die Schnelle den Behälter zu leeren. Ein physikalisches Gesetz sagt: Jedes Vakuum strebt nach Ausgleich, doch wir fanden kein entsprechendes Ventil, durch das ein Ausgleich hätte stattfinden können. So mussten wir uns also diesem physikalischen Gesetz beugen und zusehen, wie der Boiler sich nach jedem Schluck Wasser, das er ausspuckte, die Luft selbst wieder reinzog.. und das konnte dauern bei 50 Litern. Bei nur noch 20 l Inhalt konnten wir den Boiler mit ruhigem Gewissen sich selbst überlassen, weil das dem Fassungsvermögen des Auffangbehälters entsprach.

Weit nach der geplanten Abfahrtszeit konnten wir uns endlich auf den Weg ins Tierheim machen. Um den Durst unseres Spielmobils zu löschen, machten wir noch einen Stopp an einer Tankstelle. Da nach meiner Kenntnis die für die Heimfahrt erforderliche EC-Karte nicht mehr funktionstüchtig war, zog ich das konventionelle Tauschmittel in Landeswährung vor. In weiser Voraussicht hatte ich vor der potentiellen Sperrung der Karte genug geholt. An der Kasse stellte ich mit Erschrecken Leere im Forintfach des Portemonnaies fest.. Gedanken an Verlust und Diebstahl kamen mir in den Sinn, die ich aber schnell wieder verwarf, weil es nicht sein konnte. Danach traten Selbstzweifel und als Hypochonder die Angst vor Alzheimer in den Vordergrund. Wo hatte ich diese verdammten Forint hingetan? Mir fiel es dann Gott sei Dank wieder ein und ich konnte die Zeche bezahlen. Der Transporter rollte schon, als mir dann auffiel, dass der nette Kassierer mir keinen Beleg gegeben hatte. Nach meinem Aufschrei stoppte Axel das Spielmobil abrupt und ich hechtete zurück zur Tankstelle. Ich sagte nur Számla und der Kassierer wühlte sodann im Mülleimer.

Es kam wie es kommen musste: Wir waren zu spät im Tierheim und mussten uns jetzt sputen. Ein Hund nach dem nächsten wurde zum Einladen geholt und es ging alles recht zügig über die Bühne. Zsuzsi und ich gingen noch ins Büro, um die Formalitäten zu erledigen. Dabei durfte ich Zsuzsi eine großzügige Spende von Tierhilfe Sauerland in Höhe von 3.000,00 Euro übergeben, die für die Finanzierung von stabilen Hundehütten bestimmt war.

Im Büro begrüßten mich diese beiden Zuckerschnuten. Sie waren als „Schmuggelgut“ vom ungarischen Zoll aus einem LKW beschlagnahmt worden.

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Gerne hätte ich mich mit den beiden beschäftigt, doch mir rann die Zeit weg. Nach Unterzeichnung der Zuwendungsbestätigung übergab Zsuzsi mir noch schnell die Reisepässe und TRACES-Papiere und dann musste ich los. Als ich in den Transporter einsteigen wollte, traute ich meinen Augen nicht. Schnell machte ich im Rahmen eines Verdrängungsmechanismus die Tür wieder zu und sagte: Ich will das nicht wirklich. Aufmerksam geworden, öffnete Daniela die Tür und holte mich mit ihren Worten wieder aus dem Verdrängungsmodus heraus. Einer unserer Schäfis hatte das Endprodukt seiner Nahrungsverwertung geschickt in flüssiger Form an der Rückenlehne des Beifahrersitzes hinab gleiten lassen und ihn dadurch für uns in seiner Verwendung unbrauchbar gemacht. Ein Mitarbeiter des Tierheimes reagierte sofort und eilte mit einem Eimer chlorhaltigen Reinigungsmittels herbei. Dank Daniela`s Jacke war wenigstens die Sitzfläche unversehrt geblieben. Axel nahm sich ein Herz und den Eimer und säuberte porentief den Sitz. Endlich konnte es losgehen.

Nur noch eine kurze Verabschiedungsszene und wir machten uns mit wertvoller Fracht an Bord auf den Weg nach Veszprem zu Zsuzsa. Dort waren wir um 15:30 Uhr verabredet, doch es war schon 16:00 Uhr und eine gute ¾ Stunde Fahrt stand uns noch bevor. Die holprige Zufahrtsstraße zum Tierheim hatten wir gerade hinter uns, als ich beim Sortieren meiner Papiere feststellte, dass die von Zsuzsi unterzeichnete Zuwendungsbestätigung nicht dabei war. Mit denkbar schlechtem Gewissen teilte ich Axel mit, dass er wahrscheinlich noch einmal den ganzen Holperweg zurückfahren musste, weil ich die Papiere in Zsuzsi`s Büro vergessen hatte. Ein kurzer Anruf bei Zsuzsi brachte die Bestätigung und wir durften wieder zurück. Mittlerweile bekam ich es mit der Angst zu tun und ich fing an, mir ernsthaft Sorgen um mich zu machen. Die Papiere hatte ich aus der Hand gelegt, um die beiden süßen Mäuse zu knuddeln und in der Hektik dann vergessen.

Zsuzsi stand schon am Tor und übergab mir die Papiere. Jetzt konnte es endlich wieder losgehen. Nun war ich sicherlich nicht das erste Mal in Ungarn, trotzdem fühlte ich mich sicherer, uns auf das Navi zu verlassen. Irgendwann wurde mir jedoch bewusst, dass ich die Gegend, durch die es uns schickte, noch nie in meinem Leben gesehen hatte und wir schon viel zu lange unterwegs waren. Die Ursache dafür war höchstwahrscheinlich die Tatsache, dass sich Zsuzsa`s Tierheim in einer „Straße ohne Namen“ befindet und das Navi uns durch ihm bekannte Straßen führte.. also fuhren wir einen Riesenbogen und verloren abermals wertvolle Zeit.

In Veszprem verlief komischerweise alles reibungslos, so dass wir zügig wieder abfahren konnten Richtung Ajka. Laura schickte ich von unterwegs eine SMS mit der Ankunftszeit 18:45 Uhr.. viel später als verabredet. Auch in Ajka ging alles flott über die Bühne. Mit geschlagenen zwei Stunden Verspätung fuhren wir dort los.

Wahrscheinlich wird der ein oder andere geneigte Leser diese Dokumentation für langweilig befinden, doch ich fühle mich gegenüber den Abholern der Hunde verpflichtet, die immense Verspätung zu erklären.

Die Rückfahrt verlief reibungslos (!!). Wir haben es sogar geschafft, eine Stunde Verspätung wieder aufzuholen.

Erster Stopp war Würzburg; dort verließen uns

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Berta

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Szuri

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Tomi

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Zozi

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Herbie

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Borso

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Basti

Nächster Stopp Weiskirchen. Hier gingen von Bord:

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Anastasia

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Lizzy

In Gießen stieg unsere Prinzessin Sziszi aus

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Endstation Siegen/Wilnsdorf

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Bobi

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Sunny

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Pancho

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Maloy

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Pluto

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Nati

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Elmo

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Hunor

Trotz der einstündigen Verspätung bei der Ankunft hat uns niemand Vorwürfe gemacht; jeder war froh, endlich seinen Schützling in die Arme schließen zu dürfen.. dafür möchte ich allen Abholern danken.

Nach der Fahrt ist vor der Fahrt. Die Vorbereitungen für die nächste Tour laufen auch Hochtouren, auch wenn der Termin noch nicht ganz fest steht.

Bis zum nächsten Mal..

Eure Heidi

1 comment for “Reisebericht März-Fahrt 2017

  1. Dagmar Peters
    13. März 2017 at 21:55

    Ein so wundervoller Reisebericht mit großem Dank an die selbstlosen ehrenamtlichen Helfer, die Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr für die Fellnasen da sind, damit sie ein gutes Zuhause bekommen.

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