Wenn jemand eine Reise tut..

.. so kann er was erzählen.

Ja, und wir haben einiges zu erzählen von unserer Augustfahrt, deshalb ist dieser Reisebericht oder eher Abenteuerbericht wieder sehr lang geworden. Wer keine Lust hat, so viel zu lesen, der soll diese Seite gleich wieder zu machen und sich anderen Dingen widmen. Wer sich jedoch die Mühe macht und diesen Bericht liest, wird wahrscheinlich an der ein oder anderen Stelle schmunzeln müssen, aber auch traurig sein. Nun aber zu unseren Erlebnissen:

Man sollte meinen, dass wir nach unzähligen Ungarnfahrten immer das Gleiche – mit vielleicht kleinen Abweichungen in der Abhandlung – zu erzählen habe, aber weit gefehlt. Jede Fahrt ist anders und verbirgt immer kleinere und manchmal auch größere Abenteuer.

Nun ja, das Ding mit größeren Abenteuern häuft sich in letzter Zeit; über die Ursache lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise liegt es daran, dass zwei Menschen unterwegs sind, die von ihrem Naturell her immer wieder unmögliche Situationen heraufbeschwören. Zwar waren diese People schon immer auf Ungarnfahrten dabei, aber nie gemeinsam. Bei dieser Konstellation haben wir nach Adam Riese eine einfache Grundrechnung: Axel + Heidi = Katastrophe !

Unpünktlich, wie man uns kennt, fuhren wir am Mittwoch Vormittag mit unserem neuen Flitzer in Siegen los. Die Fahrt verlief unspektakulär, bis auf ein paar sonderbare Gestalten:

Auto

Mit jedem Kilometer wurde es wärmer, und in den späten Abendstunden kamen wir in unserer vorübergehenden Bleibe an. Mit Entsetzen mussten wir dann feststellen, dass wir – wie bereits bei der ersten Fahrt im August – ein (Nicht-)Wasserproblem haben. Obwohl uns gesagt wurde, dass wieder alles ok ist, kam kein Tropfen Wasser aus der Leitung. Erinnert man sich an den Reisebericht vom März, könnte man zu der Vermutung kommen, dass Axel und ich mit „normal“ fließendem Wasser nicht kompatibel sind. Mit einem kleinen Trick schafften wir es dann doch, den Rohren das flüssige Gut zu entlocken, aber nur für den einen Moment.

Wir vertilgten noch einen Teil des Proviants, den wir wieder mal in viel zu großen Massen für die Fahrt mitgenommen hatten und saßen noch lange bei den tropischen Temperaturen draußen.

Odin fiel in den Schlaf der Gerechten und überließ Romi die Wache, die jedoch auch mit schweren Lidern kämpfte
Odin Romi

Am nächsten Morgen hieß es zunächst an die Basis für Kaffee zu kommen.. Wasser marsch. Dazu musste man über das riesige Gelände zum Pferdestall gehen, dort die Pumpe anwerfen, dann ganz schnell durch das Dickicht zurück zum Haus und den Wasserhahn im Garten anmachen; erst dann konnte man mit viel Glück auch im Haus über Wasser verfügen. Aber – wie schon gesagt – nur für den Moment. Bei der Dürre in Ungarn in diesem Sommer war natürlich der Pegel im Brunnen so tief wie lange nicht. Aber wir sagten uns, es gibt Schlimmeres.

Nach einem reichhaltigen Frühstück und einer Katzenwäsche (in Ermangelung von Wasser) mussten wir für ein wichtiges Geschäft nach Siofok. Ein hoffnungsloses Unterfangen, mit einem Auto, das normale Maße sprengt, in der Urlaubshauptsaison einen Parkplatz zu finden.. und das bei über 35 °C im Schatten mit drei Hunden in einer eher sparsam gestalteten Fahrerkabine. Dank Parkplatzsuche waren wir 10 Minuten zu spät bei unserem Termin; warum sollten wir uns auch untreu werden und pünktlich sein.

Nach Erledigung unserer Angelegenheit fuhren wir von Siofok aus zum Tierheim, um einen Teil unserer mitgebrachten Spenden loszuwerden. Weil der Hof noch desinfiziert werden musste, hatten wir ein wenig Zeit, uns im Tierheim umzuschauen. Zsuzsi war gerade damit beschäftigt, die Hunde, die ihre große Reise antreten sollten, schick zu machen. Ich gesellte mich zu ihr und beschäftigte mich mit einem blutrünstigen Monster, das darauf bedacht war, meine Handtasche, auch Drecksack genannt, zu töten:

Doch das kleine Kerlchen konnte auch anders:
Dompi1 Dompi2

(Dömpi ist übrigens auf der Suche nach einem liebevollen Zuhause)

Nachdem der Hof gereinigt war, konnten wir mit dem Transporter reinfahren und die Spenden ausladen. Leider können wir mit unserem neuen Transporter nicht mehr so viel zuladen wie mit unserem alten Spielmobil, doch wir bemühen uns, alle Spenden gerecht auf die Tierheime zu verteilen.

Nach getaner Arbeit führte Zsuzsi uns noch zu einer jungen Schäferhündin die man aus schlechter Haltung gerettet hatte.

Hundin Diese Hündin mit den traurigen Augen war sehr krank, und leider musste sie nur einen Tag später ihre letzte Reise über die Regenbogenbrücke antreten.

Das sind die traurigen Momente, die sehr schmerzhaft sind.. wo man diesen Schmerz am liebsten herausschreien möchte. Der Gedanke, dass diese junge Hündin bei ordentlicher Haltung überlebt hätte, erzeugt in mir persönlich eine ungeheure Wut.

regenbogenbruecke2

R.I.P.

Gut formatiert in der engen Fahrerkabine machten wir uns am Nachmittag auf den Heimweg. Wir brachten nur schnell die Hunde ins Haus und fuhren dann zum Einkaufen in einen großen Supermarkt. Der Einkauf in dem riesigen Laden gestaltet sich mitunter als Marathonlauf, vor allen Dingen, wenn man was vergessen hat. Aber was soll`s, es wartete ja draußen niemand, der die Rotation der Sonne beobachtete (siehe Reisebericht März).

Wieder Zuhause: Feierabend und Seele baumeln lassen nach Erfrischung mit kaltem Brunnenwasser.

Bis zu diesem Moment verlief unsere Tour eigentlich relativ ruhig, doch was uns am nächsten Tag erwartete, konnten wir zu diesem Zeitpunkt nicht erahnen.

Am nächsten Tag der schon gewohnte Ablauf: Wasser marsch, Katzenwäsche, Frühstück ! Danach mussten wir unser neues Domizil begutachten, doch die Suche danach stelle sich nicht so einfach dar. Man erinnere sich an das Märchen von Dornröschen und ich frage mich, wie hat der Prinz das Schloss ohne Navi gefunden.

Haus1 Haus2

Doch Dank des Orientierungssinns unserer deutschsprachigen Kontaktperson war der Eingang schnell gefunden. Hinter der ersten Tür verbarg sich ein riesiger Raum, karg eingerichtet und wegen der Dunkelheit und vielen Spinnweben ein wenig gruselig anmutend. Am Fenster eine Vintage-Gardine aus längst vergangener Epoche, die ihren Glanz mittlerweile verloren hatte. Bei dem Versuch, die Gardine zur Seite zu ziehen war das Gewicht des eher leichten Stoffes sehr befremdend für mich. Ich zerrte an dem alten Tüll bis mich ein sonderbares Geräusch innehalten ließ.. es war ein leises Fauchen, aber nicht das einer Katze.

Nein, es war eine Schlange die sich hoffnungslos in dem grobmaschigen Stoff verfangen hatte. Schlange

Die Stimmung wurde immer gruseliger, bis uns klar, dass dieses Lebewesen elend dort verreckt wäre, wenn wir nicht gekommen wären. Axel fasste sich ein Herz und befreite das arme Ding aus seinem Gefängnis; der Meinung unserer mittlerweile panischen Kontaktperson zum Trotze, die Schlange zu töten. Im weiteren Besichtigungsverlauf machte er es sich zum Spaß, uns immer wieder mit mysteriösen Dingen zu schocken. Irgendwann hatte unser Kontakt die absolute Reizüberflutung und wollte uns im Gruselkabinett alleine lassen. Doch wir hatten alles gesehen und sahen keinen Grund, noch länger zu bleiben. Schließlich hatten wir noch einen wichtigen Termin im 90 km entfernten Bonyhad.

Wir sortierten uns im räumlich begrenzen Auto (2 Menschen, 3 Hunde), machten die Klimaanlage wegen der brutalen Hitze an und fuhren los. Die Tankanzeige sagte uns, dass das Auto Durst hat, aber sie zeigte uns auch noch jede Menge Spielraum. Die nächste Tankstelle sollte unsere sein. Wir fuhren und fuhren, Dort um Dorf, doch keine Tankstelle war in Sicht. Die Tankanzeige signalisierte, dass unser Auto am verdursten war: Reserveleuchte. Was blieb uns anderes übrig, als nun die Klimaanlage auszumachen, um Ressourcen zu sparen. Da unser Navi auch weit und breit keine Tankstelle anzeigte, holte ich mein Handy raus, das mit Hilfe von GPS unseren Standort ermittelte und die nächstgelegene Tankstelle anzeigte. Die war noch ca. 20 km entfernt; eigentlich zu viel für eine aggressive gelbe Diode. Wir fragten also zwei Passanten, die unseren Weg kreuzten. Mit Händen und Füßen erklärten sie uns, dass wir in ca. 6 km links abbiegen müssten, nannten dabei einen Ort mit ???. Wir fanden tatsächlich einen Wegweiser, der nach links zeigte mit ???, doch der kam so plötzlich und erwartet und war ohne gefährliches Bremsmanöver nicht greifbar.

Die Sache nach einer Wendemöglichkeit scheiterte. Mittlerweile waren wir meiner Handy-Tanke so nahe, dass sich ein Wendemanöver nicht mehr gelohnt hätte. An der Kreuzung, wo es links nach Bonyhad ging, bogen wir also der Anweisung meines Handys folgend rechts ab. Wir waren in dem verlassenen Ungarn mit so gut leerem Tank dem kleinen Ding auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Das Handy wies uns an, die unmöglichsten Wege zu fahren, die wir nur mit einem SUV hätten fahren können. Also zogen wir es vor, auf der geteerten Straße zu bleiben in der Überzeugung, dass es auch einen besser befahrbaren Weg gibt. Mein Handy berechnete neu und der Weg zur Tanke wurde immer länger. Und wieder sollten wir links abbiegen. Da die Situation langsam brenzlig wurde, gehorchten wir meinem Handy und sahen uns nach ca. 1 km mitten in einem staubigen Feld, fernab jeglicher Zivilisation. Bevor wir unseren Dieselmotor gänzlich trocken fuhren, stoppte Axel abrupt das Fahrzeug und machte den Motor aus.

Ich machte mich sodann mit meinem Handy bewaffnet in der brutalen Hitze zu Fuß auf den Weg zur Tanke, die lt. GPS nur noch wenige 100 m entfernt sein sollte. Niemand hatte mir jedoch gesagt, dass Wasser in der Wüste ein lebenswichtiges Elixier ist. Ich kam über den Hügel und lt. Handy hätte ich eigentlich ein Tankstellenschild sehen müssen. Doch ich sah außer einer Fata Morgana nur ausgetrocknete Felder. Ich machte mich also wieder auf den Rückweg zum Auto und mir wurde bewusst, wie weit ich schon gelaufen war. An dieser Stelle übernimmt Axel den Bericht, um zu dokumentieren, was während einer gefühlten stundenlangen Abwesenheit in ihm vorging:

„Die Hunde waren durstig und mussten getränkt werden. Ich machte die hintere Transportertür auf, um die Näpfe zu holen und es fiel der Staub von einer halben Sahara hinunter. Odin zog sich mindestens einen Liter des kostbaren Gutes rein, Schira war da etwas zurückhaltender. Romi hatte es vorgezogen, Heidi zu begleiten.

Im Schatten des Wagens kamen mir so einige Gedanken.. ich sah Heidi vor meinem geistigen Auge vollkommen dehydriert in den „Karpaten“ liegen und dachte, ich muss gleich eine Hilfsexpedition starten, damit man sie nicht irgendwann mumifiziert wiederfindet wie Ötzi.

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Irgendwann, nach gefühlten Stunden, kam Heidi vollkommen resigniert wieder zurück. Sie lebte !“

Eins stand fest: Diesen unwirklichen Ort mussten wir wieder verlassen. Mit letzten Tropfen Sprit und dem Vertrauen auf mein Handy, das eine weitere Tankstelle geortet hatte, wendeten wir und fuhren auf dessen Anweisung durch einen Ort, den wir „Death Valley“ nannten. Hinter einer Kurve in einer unscheinbaren Straße leuchteten tatsächlich die grünen Neonlampen einer Tankstelle. Wir haben uns gefreut wie kleine Schneekönige. Nicht nur der Durst des Autos wurde gestillt, sondern auch unsere trockenen Kehlen wurden bedient. Noch nie waren wir so glücklich über einen Eiskaffee und eine kalte Limo.

Vollkommen entspannt konnten wir nun die Fahrt nach Bonyhad fortsetzen. Melinda wartete schon auf uns.

Die Tötungsstation (in der aber nicht mehr getötet wird) liegt mitten in einem Industriegebiet. Mit Entsetzen mussten wir feststellen, dass die kleine Station, die mittlerweile an die 60 – 80 Hunde beherbergt, immer mehr hinter Müll und Schutt verschwindet. Es gibt keinen Auslauf für die Hunde; wir konnten noch nicht mal mehr ein Fotoshooting mit einem „grünen“ Hintergrund machen. Ein anderes Grundstück ist zwar bereits vorhanden, doch es fehlt an den nötigen Geldern zum Aufbau der Zwingeranlagen.

Bonyhad1 Bonyhad2

Nachdem wir die Spenden abgeladen hatten, machten wir einen kleinen Rundgang durch das Tierheim.

Wir besuchten Alex, der in unserem Beisein von seinem Herrchen im April in der Station abgegeben wurde

Alex

(Weitere Infos über Ales findet ihr hier)

Und auch Markus statteten wir einen Besuch ab, der nach einem Beißunfall seine Zunge verloren hat

Markus

(Weitere Infos über Markus findet ihr hier)

Danach suchten wir uns in der Station ein kleines Stückchen Wiese, wo ich ein paar Hunde fotografierte, damit sich ihre Vermittlungsaussichten verbessern. Dies erwies sich als hoffnungsloses Unterfangen, weil einfach die Ruhe fehlte.

Genau wie in den anderen Stationen reißt auch in Bonyhad die Welpenflut nicht ab. Immer wieder kommen weggeworfene Hundebabies in die Station, so wie diese vier hier, die als unerwünschter Nachwuchs bei Melinda abgegeben wurden.

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Border3 Border4

Leider haben es die ersten drei nicht geschafft; sie sind an einem aggressiven Virus gestorben.

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R.I.P.

Der letzte – Armin – hat sich zwar auch infiziert, doch bisher hat er überlebt. Alle Daumen sind gedrückt, damit er es schafft.

Es wurde Zeit, nach Hause zu fahren.. ein ereignisreicher Tag lag hinter uns und wir wollten jetzt nur noch Feierabend machen.. ein bisschen Grillen und ein kaltes Bierchen schlossen unseren Tag ab.

Am nächsten Morgen unsere alltägliche Routine.. Spießrutenlauf durch`s Gartendickicht zwischen Pferdestall und Wasserhahn, um die Grundlage für den Kaffee zu beschaffen. Axel war noch im Reich der Träume; ich ging zum See, um Kraft zu tanken, denn zwei harte Tage lagen vor uns.

See1 See2
Odin1 Odin2

Es war ein herrlicher Morgen und ich hatte das Gefühl, die Zeit steht für einen Moment still.

Doch schnell war es am See vor Hitze nicht mehr auszuhalten und ich ging zurück zum Haus in den kühlenden Schatten. Nach dem Frühstück fingen wir an, unsere Sachen zu packen und zu verstauen. Dies sollte unser letzter Besuch im „Haus am See“ gewesen sein, denn das Wasserproblem schien dort dauerhaft zu sein, und ohne Wasser geht gar nicht.

Kurz vor der Abfahrt erntete ich noch ein paar köstliche Delicious-Äpfel, die der im Garten stehende Baum reichlich trug

Delicious

Nur noch ein kurzer Besuch im Discounter, um uns mit Proviant für die Rückfahrt zu versorgen und ab ging es ins Tierheim. Dort stand noch ein Fotoshooting mit den Spitzen an, die mit gepacktem Köfferchen auf ihre große Fahrt warteten.

Ben Der süße Spatz hier musste leider eine Woche nach seiner Ankunft in Deutschland seine letzte große Reise antreten. Er starb an einer Embolie infolge einer Filariose.

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R.I.P.

Irgendwie verging die Zeit wie im Fluge und wir hatten noch so viel zu tun. Mit einer halben Stunde Verspätung fuhren wir im Tierheim los in der Hoffnung, dieses Zeitminus wieder aufzuholen. Da wir dieses Mal keinen weiteren Ladeort hatten, zogen wir es vor, in Nickelsdorf über die österreichische Grenze zu fahren. Wir kamen zügig voran und alles sah gut für unseren eng gestrickten Zeitplan aus. Doch plötzlich leuchtete uns etwas aggressiv Rotes aus dem Armaturenbrett entgegen. Nein.. der Tank war voll.. außerdem meldet der sich in gelb.

Leuchte

Aber wie konnte das sein? Der Motorölstand wird doch immer überprüft! Wie dem auch sei.. wir mussten auf dem schnellsten Weg Öl nachfüllen. Eine autobahnähnliche Straße verhinderte jedoch, dass wir anhalten konnten. Auf dieser neu ausgebauten Straße verlor unser Navi zu allem Überfluss noch vollkommen die Orientierung und ließ uns auf dem Display irgendwo im Nirwana rumtanzen. Die nächste Ausfahrt war unsere.. und wieder musste mein Handy herhalten und eine Tankstelle suchen, denn unser Ölvorrat an Bord hatte sich dem Ende geneigt.

Lt. Handy mussten wir ganz in der Nähe sein, doch wenn Aladins Wunderlampe brennt, können 10 km eine halbe Ewigkeit sein. Während Axel sich um den Motor kümmerte, ging ich zur Kasse, um das Öl zu bezahlen. Eigentlich nichts Weltbewegendes, wenn da nicht drei Leute vor mir gewesen wären, die alle mindestens zwei Cappuccino bestellt hätten. Für jede Tasse musste die Milch extra aufgeschäumt werden, und das erledigte die arme Kassiererin mit nur einem Arm, weil der andere eingegipst war. Irgendwie hatte sich alles gegen unseren Zeitplan verschworen. Irgendwann durfte ich meine Forint dann doch noch los werden. Axel hatte schon alles vorbereitet und wartete nur noch auf das Öl, sagte aber gleich, dass die Öllinie auf dem Messstab zwar zu wenig Öl anzeigte, aber keinesfalls so wenig, dass die Kontrollleuchte hätte angehen dürfen. Egal.. er füllte Öl nach, aber die Kontrollleuchte war immer noch an. Dann ging sie aus und wieder an, wieder aus und wieder an.. komische Geschichte. Axel fiel es zuerst auf, dass der Bordcomputer uns eine Message schickte. Wir waren beide so auf die rote Leuchte konzentriert, dass es uns nicht aufgefallen war. Sahen wir uns zuvor noch mit einem großen Problem konfrontiert, so hatten wir nun Klarheit: Der Bordcomputer erinnerte uns lediglich an den bevorstehenden Motorölwechsel. Tja, man lernt doch täglich dazu und sicher ist, dass wir bei der nächsten Warnleuchte auch ins Kontextmenü schauen werden.

Das Navi hatte uns wiedergefunden, aber da es die neue ausgebaute Straße nicht kannte, schickte es uns quer durch die „Pampa“ Ungarns, über enge Holperstraßen und Dörfer, was natürlich weitere Zeit kostete. Irgendwann landeten wir wieder in der Zivilisation und fanden auch die Autobahn. Wir waren schon kurz vor der Grenze.. vielleicht 5 km.. da stand alles still. Super, Rückstau vor der Grenze, weil so gut wie alle Fahrzeuge bzw. deren Insassen kontrolliert wurden. Diese Aktion kostete uns abermals 45 Minuten. Wir wurden natürlich rausgewunken und mussten unsere wertvolle Fracht zum Entzücken der österreichischen Bundespolizei zeigen. Alles in Ordnung, wir durften weiterfahren. Mittlerweile lagen wir zwei Stunden hinter unserer Zeit.. keine Chance, das wieder aufzuholen. Ab jetzt lief alles wunderbar; nur das Wetter wurde immer schlechter.

Soweit es mir möglich war, wurden die Abholer über ein soziales Netzwerk über die Verspätung informiert. Niemand war uns böse und fragte nach dem Grund der Verspätung. Alle waren nur noch froh, ihre Schützlinge endlich in die Arme schließen zu dürfen.

Wie Ihr seht, jede Fahrt ist anders. Wichtig ist unsere eigentliche Mission, die wir nie aus den Augen verlieren.

Bis zum nächsten Mal

Eure Heidi

2 comments for “Wenn jemand eine Reise tut..

  1. Brigitte Müller
    16. September 2017 at 10:12

    Es scheint, daß Du diese Fahrt mit einiger Gelassenheit und Augenzwinkern überstanden hast. Ohne solche Abenteuer wären die Fahrten bald langweilig. 😉

  2. 28. September 2017 at 22:53

    Das ist ein herzlich und lustig geschriebener Bericht. Ich habe viel geschmunzelt und gelacht. Nur bei einigen Erzählungen und für mich natürlich bei einem ganz bestimmten Bild kann ich die Tränen nicht zurück halten. Ben war so voller Lebensfreude und musste uns so plötzlich verlassen. Er fehlt.

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